Ten Sleep
Wyoming, USA

Klettern im Cowboy State

01.10.2018

Heute geht’s wieder ums Klettern! Und zudem stellen wir auch wieder die chronologische Reihenfolge her. Bis vor Kurzem befanden wir uns im Ten Sleep Canyon im Nordosten von Wyoming, dem Cowboy Staat der Vereinigten Staaten. Die Aufgabe des reisenden Kletterers hier ist es am sogenannten Bighorn-Dolomit zu klettern. Wo und wie er das zu tun hat entnimmt er einem der Kletterführer, welche engagierte Locals hierfür erstellt haben. Üblicherweise läuft das so ab: Zuerst sucht man sich die richtige Parkbucht entlang des Cloud Peak Highways, wandert dann zwischen 10 und 30 Minuten gemächlich den Berg hoch bis zum Fuß der Klippen und sucht sich dort die entsprechende Herausforderung mittels aussagekräftiger Routenbeschreibung inkl. unterstützender Symbolik heraus. Letztgenannte können zum Beispiel wie folgt aussehen: „Do. This. Route“ und eine amerikanische Flagge daneben. Ein kurzer Blick in die Legende offenbart die Bedeutung für amerikanische Flaggen: „Wenn du diese Tour nicht kletterst, dann hasst du die USA! Und, und, und... Mach diese Tour!“.

Insgesamt befanden wir uns hier bereits fast vier Wochen (mit Unterbrechungen) und versuchen möglichst viele Touren zu klettern. Inzwischen haben wir hier auch schon alle verschiedenen Wettersituationen durchgemacht: Viel zu heiß, genau richtig, zu kalt, windig, nicht windig, regnerisch, trocken und natürlich auch SCHNEE. Aber da wir bisher noch keine einzige Tour geklettert haben, die weniger als 3 von 5 Sternen verdient, schaffen wir es einfach nicht, uns von hier, trotz schlechter werdendem Wetter, loszureißen.

Neben dem Klettern kann man hier in Wyoming auch noch einige andere Dinge erleben, wie: Abende mit Countrymusik live unter Lichterketten an der hiesigen Brauerei, Exitgame-Herausforderungen, Duschen im Holzverschlag für 3$, Entspannung im kostenfreien Mineralbad, absolute Einsamkeit am Campingplatz oben im Canyon, Kuh-Invasion während der Nacht, überlebenswichtige wärmespendende Lagerfeuer mit selbstgejagtem Feuerholz, Coyotengeheul nachts, rote Monde, Foodtruck-Pizza, das ganz „normale“ Aufblitzen einer Waffe an den wyomingschen Hüften, Flussquerungen zu Fuß für kürzere Zustiege zur Wand, Füchse, die am Kletterfels vorbeischauen, oder Cowboys zu Pferd in vollständiger Cowboyausstattung, welche ihre Kuhherden verwalten.

Das Land, in welchem sich das Klettergebiet befindet, ist offiziell öffentliches Land, auf dem man so ziemlich alles tun und lassen kann was man möchte, unter anderem auch (umsonst) campen. Das bedeutet natürlich, dass man auf den ein oder anderen Komfort verzichten muss, im Gegenzug dafür aber seine Kreditkarte nicht strapazieren muss. Um diese Jahreszeit ist dort oben im Canyon auch höchstens am Wochenende noch Campingbetrieb, wenn die Kletterer aus Colorado einfallen – an allen anderen Wochentagen hat man so ziemlich seine Ruhe, bzw. absolute Stille. Außer die Kühe fallen ein! Denn dann wird die Straße planlos blockiert, ordentlich gemuht, die Wiese rund um unsere Zelte besudelt oder aus unserem selbstgebuddelten Abflussloch getrunken. Neuerdings scheint noch zusätzliche Bewegung in die Kuhherden des Ten Sleep Canyons gekommen zu sein – es werden nämlich immer mehr Tiere, die talabwärts trotten (aufgrund unserer umfangreichen Kuhkenntnisse können wir annehmen, dass das wohl etwas mit den kälter werdenden Temperaturen zu tun hat). Und diesen instinktiven Trieb konnten wir auch bei uns erkennen: Uns hat es (wann immer vernünftig begründbar möglich) nach unten ins Tal in wärmere Gefilde gezogen, sodass Frühstücken im Ten Sleep Stadtpark an Ruhetagen bereits normal war. Vielleicht ist ja hier wirklich bald die Saison auch für uns zu Ende und wir sollten weiter ziehen…

Aber jetzt fehlt immer noch die Herstellung der chronologischen Reihenfolge: Anfang September haben wir ja vorübergehend die Susanne als weiteres Teammitglied erhalten. Zusammen haben wir noch ein paar Tage im Rocky Mountain National Park verbracht, bevor wir uns weiter auf den Weg nach Wyoming, nach Ten Sleep, gemacht haben. Dort haben wir an der klettererfreundlichen Ten Sleep Brewery unser erstes Basislager aufgeschlagen und auch unser Postfach eingerichtet. Mit dem Kommentar „Get the facists out of your country“ lud uns der Barmann/Barkletterer dazu ein, dass wir ruhig unsere Briefwahl-Unterlagen hierher verschicken lassen sollten. Wir haben also schon wählen können. Nach drei Klettertagen sind wir dann weiter zum Yellowstone National Park gedüst und von dort aus weiter nach Lander, wo wir uns dann von Sanne und Dan verabschiedet haben. Team National Park ist daraufhin in Richtung Süd-Westen aufgebrochen, während Team-Franziska’s-Geburtstag zurück nach Ten Sleep gefahren ist. Für letzte war dann erst mal wieder Sportklettern und eben Franzi’s Geburtstag angesagt. Inzwischen hat uns Sanne wieder verlassen und sich auf den Weg zurück nach Deutschland gemacht und wir verbleibenden Drei haben oben im Canyon, im gefühlt kältest-möglichen Eck, noch ein paar weitere Tage verbracht.

Inzwischen hat uns leider die Kälte endgültig vertrieben. Obwohl uns das Gebiet wirklich wahnsinnig gut gefallen hat und es noch viele viele tolle von uns ungekletterte Routen gibt, waren uns die Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt und mangelnde Sonne tagsüber sowie Franzi’s neuestes Finger-Feature, eine supernette Nagelbettentzündung am rechten Zeigefinger, die ausheilen muss, Grund genug, um uns auf den langen Weg nach Kentucky, zu unserem nächsten Stopp „The Red“, zu machen. Hier durften wir uns dann plötzlich mit ganz anderen Bedingungen auseinander setzen - hierzu dann aber mehr bei unserem nächsten Beitrag.

Kommentare

Uli — 11.10.2018

Danke für die unterhaltsamen Blogs und weiterhin viel Spaß. Grüße vom Mittelrhein.

Bine — 11.10.2018

Mega toll wieder! Ich liebe euren Blog! Die Bilder und eure Abenteuer sind der Wahnsinn! Ich freue mich schon auf den nächsten. GLG

melli — 13.10.2018

Hatte heute endlich mal ein bisschen Ruhe und habe das genutzt um alle! Einträge nochmal zu genießen. Ich bin total begeistert und leide nun unter aktuem Fernweh. Als überzeugter USA-Verweigerer komme ich ins gefährliche Schwanken. Es scheint dort durchaus auch ganz tolle Formen der menschliche Spezies zu geben und wer die nicht mag, verzieht sich einfach in die grandiose Landschaft. Seid ihr nun echte Patrioten geworden und habt ausreichend Flaggen-würdige Routen erklimmt? Oder habt ihr euch auch schändlich Kim Ill Jong hingegeben, der Geisel der Demokratie?! Hach, herrlich, bitte vermeidet jedes politische Gespräch mit zutaulichen Einheimischen ;)

Guanta — 13.10.2018

Klingt nach tollen EIndrücken! Viel Spaß weiterhin.

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