Pacific Coast
Kalifornien, Oregon & Washington - USA

Der Highway 101

19.06.2019

Eine Woche nachdem uns unser letzter Besucher verlassen hatte holten wir unseren nächsten Familiengast, Piet‘s Mum Ingrid, in San Francisco am Flughafen ab. Zu dritt sollte es nun während der nächsten zwei Wochen mehr oder weniger entlang der Pazifikküste bis nach Seattle gehen – ganz ohne Klettern – dafür mehr Wandern, Landschaft, Cappuccinos und Tiere.

Rückblickend hatten wir uns ein recht strammes Programm vorgenommen, aber im Voraus war das selbstverständlich nicht abzusehen. Wir hatten lediglich versucht ein paar Nationalparks abzuklappern, zwischendrin noch ein paar Extra Sehenswürdigkeiten eingeplant und ein paar freie Tage zum Lesen und Kartenspielen angedacht. Wahrscheinlich wäre es selbst ohne die immensen Fahrtstrecken schon knapp geworden…

Glücklicherweise hat bei der Auswahl der Ziele dann aber das Wetter mitgeholfen, denn Regenwetter wollten wir natürlich auf jeden Fall vermeiden. Wegen des vielen Restschnees wäre ohnehin fragwürdig gewesen ob man angedachte Ziele wie den Crater Lake oder Mount Rainier National Park überhaupt hätte voll auskosten können.

Letztendlich sah unsere Reiseroute dann wie folgt aus: schnell über die Golden Gate Bridge und raus aus San Francisco, denn den ganzen Verkehr hält ja wirklich keiner aus. Um die längere Fahrt zu den Red Wood National- und State Parks etwas aufzubrechen legten wir einen Zwischenstopp im Clear Lake State Park ein, wo wir direkt von zwei Waschbären an unserem vorreservierten Platz erwartet wurden. Auch wenn die Kerle sich ganz und gar nicht von unseren Scheinwerfern irritieren haben lassen ist es uns dennoch nicht gelungen sie zu fotografieren.

Viel besser ging das am nächsten Tag mit den „Elks“ in der Red Woods Region. Elks sind, auch wenn es sich sehr ähnlich anhört, keine Elche, sondern ziemlich große Hirsche. Dank Wikipedia wissen wir jetzt auch, dass es dank den Shawnee-Indianern noch einen viel weniger verwirrenden Namen gibt: Wapiti („weißes Hinterteil“). Von den Wapitis gibt es hier auf jeden Fall ziemlich viele, und im Gegensatz zu den Waschbären lassen sie sich auch tagsüber hervorragend anschauen und fotografieren.

Angeblich ist es hier sogar möglich von der Küste aus Wale zu beobachten, aber dafür fehlte es uns entweder an Glück, oder eben an der dafür notwendigen Geduld. Vor allem, weil wir nahe unserem Campingplatz bereits große, unbekannte Raubvögel, Pelikane bei der Jagd und Seehunde beim Schlafen beobachten konnten. Und das ganz ohne zu warten!

Insgesamt verbrachten wir drei Nächte in der Red Woods Region, schauten uns wandernd verschiedene Teile der Parks und deren Bäume an. An die Baumhöhen gewöhnt man sich dann doch ziemlich schnell, sodass zu befürchten war, dass alle folgenden Wälder mickrig ausfallen würden. Angeblich wachsen hier nämlich die höchsten Bäume der Welt, während im Sequoia National Park „lediglich“ die Voluminösesten wachsen.

Im Anschluss fuhren wir den Highway 101 weiter in Richtung Norden bis nach Oregon und die Oregon Dunes National Recreation Area. In diesem Küstenbereich sammelt sich jede Menge Sand, der weder vom Meer abgetragen noch weiter ins Landesinnere geweht wird, sodass er sich hier auftürmt und große Dünen bildet. Jene sind bei den Einheimischen als Rennstrecke für ihre Quads sehr beliebt, können aber auch zu Fuß ganz gut durchquert werden.

Eine Nacht später befanden wir uns dann schon wieder ein Stück weiter nördlich am Highway 101, weil uns hier das Internet zu Recht schöne Küstenabschnitte sowie ein tolles Aquarium mit Seeottern versprochen hat. Tags darauf ging es direkt weiter an der Küste, entlang weiterer „Scenic Routes“ vorbei am Cape Kiwanda State Park, dem Cape Lookout und dem Cape Meares National Wildlife Refuge, selbstverständlich mit der täglichen Cafe Latte/Cappuccino Pause. Tagesziel an diesem Tag war die Region um den Mount Hood, bzw. ein Campingplatz in der Nähe des Berges (das war jetzt dann nicht mehr an der Küste). Hier durften wir auch einen Einblick ins Leben der „Waldmenschen“ gewinnen, die in und um den Mt Hood National Forest dunkel zwischen und unter den vielen Bäumen ihre Häuser hingestellt haben. Die brauchen wohl weniger Vitamin D als normale Menschen.

Die geplante Zwei-Tages-Wanderung entpuppte sich beim Openstreetmap-Check leider als leicht zu meisternde Tageswanderung, welche sich aber dank des Kartenmaterials noch etwas erweitern ließ und uns mehrere Blicke auf den Mount Hood ermöglichte. Statt irgendwo an einem See im Bärenland zu campen konnten wir so immerhin unsere Zelte direkt am Campingplatz stehen lassen und mit Minimalgepäck losmarschieren. Tags darauf unternahmen wir noch eine kleine Wanderung zum Mirror Lake, indem sich der Mount Hood bei gutem Wetter spiegelt, bevor wir uns wieder in unser Auto setzten um zum nächsten Stopp unserer Tour, dem Olympic National Park, zu fahren. Hier erwarteten uns eine weitere kleine Wanderung zu den Sol Duc Falls und das darauffolgende Bad in den Sol Duc Hotsprings.

Erholt vom Bad in den heißen Quellen machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Port Angeles wo wir uns vorab eine Whale Watching Tour für den Meeresabschnitt zwischen der Olympic-Halbinsel und Vancouver Island (Sealish Sea genannt) reserviert hatten. Nach einem Start im dichten Nebel und einer einstündigen Fahrt fort von der Küste hatten wir diesmal gleich doppeltes Glück: erstens klarte es auf und wir hatten Sonnenschein und perfekte Sicht, und zweitens tauchten vor uns eine Buckelwal-Dame mit ihrem „kleinen“ Nachwuchswal auf. Letzterer hatte zudem noch etwas überschüssige Energie und hüpfte gleich zweimal aus dem Wasser. Als Bonus gab es auf der Tour später noch dösende Seelöwen und jagende Weißkopfseeadler zu beobachten.

Der letzte Stopp unserer Pazifiktour war der Zoo von Seattle, wo wir uns noch ein paar der Tiere anschauen, die man hier selten bis gar nicht entdecken kann, oder eben jene, bei denen man gerne einen Zaun zwischen sich und dem Tier hat. Das fortlaufend gute Wetter und die gelungene Tour wurde anschließend gebührend mit einer ausreichend dimensionierten Ladung Pizza zelebriert, bevor wir Ingrid am nächsten Morgen zum Flughafen in Seattle brachten. Wie auch bei allen bisherigen Besuchern verging auch diesmal die Zeit rasend schnell und an die schlagartige Änderung plötzlich wieder zu zweit im Auto zu sitzen gewöhnen wir uns offenbar auch nur schwer.

Pünktlich mit der Abreise wurde der Wetterbericht abrupt pessimistisch und durchkreuzte alle unsere Pläne ziemlich gnadenlos. Nach Beratung und Wetterberichtstudie bei den üblichen WLAN-Quellen strichen wir zwei unserer potentiellen Ziele in Washington zusammen und fuhren kurzerhand über die kanadische Grenze, durch Vancouver und bis nach Squamish, wo wir uns nun wieder dem Klettern widmen wollen. Dazu dann mehr in unserem nächsten Beitrag.

Kommentare

Bine — 20.06.2019

ach wie schön... was ein toller Bericht wieder... das fängt doch der Tag gleich supi an.. Groetjes aus Holland

Uli — 20.06.2019

Was für Bilder

Karin 20.6.2019 — 20.06.2019

Einfach schön ***, so als ob man dabei wäre ist Euer Bericht. Alle Achtung beim balancieren über den Baumstamm von Ingrid (beim Anblick bekam ich ein etwas mulmiges Gefühl. ) Viel Glück und alles Gute für die nächsten Vorhaben!

Christa — 22.06.2019

Geniale Bilder und Respekt vor Piet`s Mama, die so fit mitmarschiert. Ich hab mir die Bilder gleich 2 x angeschaut, da krieg ich Fernweh..... Liebste Grüße von daheim

Homo — 23.06.2019

Wie immer großartige Fotos! Auch wenn es mit den Waschbären leider nicht geklappt hat... Hab gerade überlegt wie lange ihr insgesamt schon unterwegs seid... fast ein Jahr... ich hätte irgendwie auf viieeeel länger getippt... wahrscheinlich weil ihr einfach schon so viel erlebt habt, dass man das gedanklich gar nicht in ein Jahr packen kann. Viele liebe Grüße :-)

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