Vancouver
06.03.2019
Nach langem Hin und Her, wo wir uns am besten für die noch anstehenden kalten Monate niederlassen sollten, fiel die Entscheidung letztendlich auf Vancouver an der Westküste Kanadas. Wir wollten gerne die Möglichkeit etwas unternehmen zu können, und das geht als hinkender Tourist einfacher in einer Stadt als im Hinterland Patagoniens (wohin wir um diese Zeit ursprünglich geplant hatten zu reisen). Wichtig war natürlich auch die Möglichkeit weiterhin Ärzte und vor allem regelmäßig den gleichen Physiotherapeuten besuchen zu können, und auch diesbezüglich sind wir mit unserer Wahl sehr zufrieden. Außerdem hat uns die Nähe zu den Bergen und den Wäldern in unserer letzten Unterkunft in Twain Harte gut gefallen und das gleiche haben wir uns in Vancouver auch gewünscht bzw. dann auch erhalten. Und natürlich bietet eine größere Stadt auch mehrere Boulder- und Kletterhallen, in denen wir uns auf noch hoffentlich Kommendes vorbereiten können. Hier also nun unser Bericht über unsere Zeit in Vancouver.
Wie auch schon in Kalifornien haben wir uns auch hier wieder Unterkünfte bei Airbnb gesucht, welche die strengen Kategorien einer guten Küche inkl. Ofen und Sofas erfüllten. Als weitere Voraussetzung kam jetzt noch ein ausreichend großer Tisch inklusiver passender Stühle hinzu, auf dem wir unser gegenseitiges Weihnachtsgeschenk „Pandemie Legacy“ spielen konnten. Nicht furchtbar aber etwas schade war, dass es in den Geschäften hier nur die Season 2 des Spiels zu kaufen gab, sodass wir ohne die Geschichte des Vorgängers in das Spiel starten mussten. Am Ende hat es dann aber doch so viel Spaß gemacht, dass wir Season 1 danach direkt auch noch online mit Zustellung ins Airbnb gekauft und durchgespielt haben.
Auch außerhalb der Wohnung gab es einiges zu tun. So wurde zum Beispiel der vom Physiotherapeuten 30-minütige täglich verordnete Auslauf dafür verwendet die einzelnen Stadtviertel zu durchstöbern und um die Essempfehlungen des Reiseführers zu verifizieren. Außerdem galt es noch den zweiten Teil unseres Weihnachtsgeschenks einzulösen: den Besuch bei den Illusionists. Dieses Team setzte sich aus dem 'Mentalist', dem 'Manipulator', dem 'Futurist', dem 'Grand Illusionist' und dem 'Daredevil' zusammen. Hier haben wir unter anderem die Selbstbefreiung aus einer Zwangsjacke, Skorpione im Mund, Kartentricks, Gedankenlesen, das Verschwinden und plötzliche Auftauchen von Personen sowie ein Zuschauerhandy in einer Melone bewundern können. Leider durften wir bei all diesen Täuschungen nicht fotografieren und auch sonst haben sich die Illusionisten recht verschlossen bezüglich der Funktionsweise ihrer Tricks gezeigt, sodass wir am Ende der Show ohne Frage ziemlich beeindruckt waren, aber uns auch irgendwie etwas veräppelt vorkamen.
Dank unserer ständig verfügbaren Internetverbindung in der Wohnung haben wir hier außerdem erfahren, dass auf der anderen Seite der Weltkugel Franzi’s Bruder in einem furchtbaren Resturlaubs-Dilemma steckt. Nach einigen Tagen hin- und herschreiben, einigen Telefonaten sowie Flug- & Gepäckbuchungen kristallisierte sich heraus, dass wir im Februar zwei Gäste aus Deutschland beherbergen durften, denn Franzi’s Mama hatte genialer Weise für diese Tage bereits ohnehin Urlaub beantragt gehabt.
Die wehnertsche Familienvereinigung hat am ersten Tag mit viel Sonnenschein begonnen, den wir genutzt haben, um im Stanley Park, dem Stadtpark Vancouvers, am Meer zu spazieren und Bäume bis zu 70 Meter Höhe sowie eine der längsten Hängebrücken der Welt im Capilano Suspension Park zu bewundern. Neben dem Aufholen der letzten Monate haben wir auf diese Besuchertage den Touri-Schwerpunkt unseres Vancouver-Aufenthaltes gelegt, der nur durch plötzlichen vielen Schnee etwas herausfordernder war als ursprünglich geplant. Gemeinsam mit Christa und Christopher haben wir in das chinesische neue Jahr des Schweins reingefeiert – bei Eiseskälte und zum Schluss wieder mit viel Schnee. Die tanzenden Drachen waren vielleicht auch wegen dem Wetter nicht ganz so aktiv wie wir gehofft hatten. Dafür haben wir uns als Entschädigung leckere Doughnut’s zum erneuten Jahresanfang gegönnt.
An einem der verschneiten Tage – es hat teilweise gar nicht mehr aufgehört – sind wir ins Aquarium gegangen und haben dort neben Quallen, Nemo’s und einer riesigen Meeresschildkröte auch den Außenbereich erkundet: Dort wohnen aufgefangene Tiere, die nicht mehr in der Wildnis überleben können, wie ein Delfin mit nur noch einer richtigen Floße, die andere hat er in einem Fischernetz verloren, oder ein Walroß welches tragischerweise wegen zwei Gewehrkugeln im Kopf erblindet ist. Am besten haben uns die Fischotter gefallen, die ihr Futter als Eisblock erhalten haben und damit rückwärts im Wasser getrieben sind. Den südafrikanischen Pinguinen wars im Schnee zu kalt – aber die haben wir ja schon live vor Ort sehen können.
Da Vancouver das Zuhause der Canucks ist, haben wir uns kurz ins Regelwerk eingelesen und sind in unserer Zeit hier zu Eishockey-Fans mutiert und waren sogar zweimal zusammen mit weiteren circa 18.000 Menschen in der NHL-Rogers-Arena und haben die Canucks angefeuert – allerdings mit wenig Erfolg, beide Male haben sie verloren. Beim ersten Spiel sind wir allerdings in den Genuss einer Verlängerung sowie des „Elfmeter-Schießens“ gekommen.
Am nächstmöglichen Tag, an dem Frau Holle sich ausruhen musste und die Sonne munter versucht hat, den Schnee wegzuschmelzen, sind wir alle mit Sir Henry die Küste entlang nach Squamish gefahren und haben die Aussichten über das Meer, Inseln sowie die Blicke in die verschneiten Berge genossen. Bei Squamish haben wir den Stawasmus-Chief bewundert, den zweitgrößte Granitmonolithen der Welt, der uns einen Vorgeschmack auf den Sommer gegeben hat – wenn alles klappt, kehren wir wieder zum Klettern hierher zurück!
Damit wir bei unseren Sommerträumen dann auch nicht vollständig versagen werden, haben wir uns hier vor Ort ein Monatsabo fürs Hive, zwei zusammengehörende Boulderhallen, geholt, und Franzi hat sich beim Pilates und beim Bouldern verausgabt und Piet hat den Fitnessbereich sowie das Spinning Rad genutzt, um die linke Beinmuskulatur wieder aufs Niveau der rechten zu entwickeln und seine Armmuskulatur nicht total verkümmern zu lassen. Mit Christophers Ankunft hatte Franzi zeitweise auch wieder einen Boulderpartner, was sie so sehr genossen hat, dass sie ihn mit dem Boulderfieber angesteckt hat – er war daheim jetzt auch schon wieder bouldern.
Damit uns der Mut und die Motivation für unsere hoffentlich bald kommenden Klettermonate nicht komplett verloren geht, haben wir uns bei einem hiesigen Filmfestival Kletterkurzfilme sowie bei einem lokalen Boulderwettkampf das Finale angeschaut und bewundert, was alles möglich ist (insbesondere mit gesunden Knien, aber auch mit Fußprothese!).
Die Zeit nach dem Besuch von Franzi’s Mama und Bruder wurden mit mehreren Wanderungen von unserer Wohnung aus in die angrenzenden Berge gefüllt, zum Schluss sogar ganz hoch auf den Hausberg von Vancouver, den Grouse Mountain (850 Höhenmeter auf 3 Kilometern – Knie heil!). Außerdem haben wir an einem der Schlechtwettertage das etwas tropische Bloedel Conservatory besucht und versucht, die dort ansässigen Papageien zum Reden zu bringen. Ebenso etwas anders, aber interessant war das Zuhören der Vancouver Cantata Singers, die hauptsächlich mit ihren Stimmen verschiedene Melodien zum Thema „Musik des Universums“ gesungen haben.
Und dann kam der wirklich spannende Moment, als wir vor ein paar Tagen, nach Rücksprache mit dem Physio, zum ersten Mal seit dem Unfall in die Kletterhalle gefahren sind und Piet nach fast 4 Monaten in seine Kletterschuhe geschlüpft ist (die zwischenzeitlich auch erst noch verschollen waren im Sir Henry) und wieder Hände und Füße an der Kletterwand untergebracht hat – und es hat funktioniert! Endlich ist es also soweit, dass wir, langsam, aber stetig, wieder klettern gehen können. Deswegen haben wir vorgestern auch die Mission 'Wiedereinreise in die USA' gestartet, erfolgreich bewältigt und fahren gerade ein wettertechnisch stabiles und wärmeres Klettergebiet an.
Vielen Dank auch für all die Kommentare zu unseren Beiträgen – vor Allem das letzte Mal für die Ergänzung unseres lückenhaften Wissens bezüglich Autokuriositäten.





















Coon — 07.03.2019
Cooler Beitrag und geiler Topropeflash @ Peet :) Macht schön langsam, dann geht bestimmt auch bald wieder richtig was.
Uli — 08.03.2019
Es freut mich, dass ihr aus der Zeit, die ihr euch genommen habt, so viel positives zieht.
Flo R. — 12.03.2019
Da habt ihr euch für Zeit aber sehr gut vertrieben und viel schöne Landschaft und Tiere gesehen. Mein Favorit ist auf jeden Fall der Fischotter. Das wird mein neues Lieblingstier. Grüße aus München und Obacht geben.