Red Rocks
Nevada, USA

The Silver State

02.04.2019

Im letzten Eintrag kündigten wir ein Klettergebiet mit „stabilem und warmen Wetter“ an. Unsere Wahl war Las Vegas – und sie war zunächst dann doch nicht ganz so gut…

Eigentlich hätte das Wetter laut Online-Vorhersage dort hervorragend sein sollen, aber während unserer Wifi-freien zweitägigen Fahrt nach Las Vegas hat sich’s das Wetter dann einfach anders überlegt. Unsere anderen Wunschziele waren aber am Ende dann auch nicht besser, denn in Smith Rock lag wohl noch Schnee und auch in Bishop war Regen gemeldet, also so richtig geholfen hat uns das dann auch nicht. Möglicherweise haben wir bei unserer ohne Probleme verlaufenen Einreise doch ein Quäntchen zu viel von unserem Glück verbraucht, denn angekommen auf dem Campingplatz erwartete uns erstmal Regen – und das vor allem auch für die kommenden Tage.

Wie schon oben geschrieben war das Wetter aber so ziemlich überall regnerisch, sodass uns am Ende nur noch das ziemlich unbekannte Gebiet namens „New Jack City“ im Sawtooth Canyon übrigblieb. Dort haben wir auf dieser Reise bereits eine Nacht verbracht, als wir den Dan nach Los Angeles zum Flughafen gefahren haben, allerdings ohne zu wissen, dass dieser Ort wohl ein halbwegs etabliertes Klettergebiet ist. Diesmal haben wir uns jedoch das entsprechende Buch vorher organisiert und konnten uns die leichtesten Touren für den Wiedereinstieg raussuchen.

Franzi’s Auftrag was es nun auf völlig ungewohntem Basaltgestein Topropes einzurichten, damit Piet sich jetzt auch wieder ans Klettern draußen gewöhnen kann. Tatsächlich war der Fels dann wirklich so komisch, dass wir uns richtig schwer taten hier überhaupt viel zu erreichen. Immerhin war das Wetter hier super sodass wir im trockenen Klettern, Kochen und endlich mal wieder Campen konnten.

Drei Tage später waren wir dann zurück in unserem Wunschgebiet am Rande von Las Vegas, holten uns unsere Dusche in der dortigen Kletterhalle und stockten unsere Vorräte für die nächsten Tage wieder auf. Einen Ruhetag später ging es dann auch endlich mit den hochgelobten Sportklettertouren im Sandstein der „Red Rock National Conservation Area“ los. Auch hier war erst mal wieder die Franzi gefragt, wenn es darum ging, das Seil nach oben zu bringen, aber ein wenig später trauten wir uns auch beide das Vorsteigen wieder zu.

Von Red Rocks haben wir uns neben schönem Wetter und Sportklettertouren auch einen weiteren Vorteil erhofft: nämlich ein Klettergebiet, in dem wir uns auch dem Trad Klettern (engl. Traditional) vorsichtig annähern können. Mit bis oben hin mit verschiedensten Metallwaren vollgefüllten Rucksäcken ging es dann nach kurzer Sportkletter-Eingewöhnungsphase auch schon gleich zu den ersten Rissen.

Wie beim Sportklettern ist auch beim Trad Klettern der Kopf wieder von entscheidender Bedeutung und deshalb ist auch hier die entsprechende Motivation essenziell. Statt sich mit vorgegebenen Hakenabständen abfinden zu müssen, hat man hier ja schließlich die Möglichkeit „jederzeit“ seinen eigenen Haken „zu schaffen“. Hört sich ganz einfach an – sorgt in der Umsetzung dann aber doch schnell für Schnappatmung und Angstschweiß.

Abseits der anderen Kletterermassen (hier ist gerade Hauptsaison) haben wir uns für unsere ersten Versuche ein paar leichte Touren rausgesucht, die wir mit einer überwältigenden Überzahl an Absicherungen bewältigen wollten (Begehungsstil engl. sew it up). Im First Creek Canyon wurden wir hier fündig - Piet konnte seine vergangen Kenntnisse wieder aktivieren und die Franzi hat nach langem „soll ich“ – „soll ich nicht“ auch ihre erste Trad Tour gemeistert.

Rückblickend können wir feststellen, dass unsere ersten Trad Versuche sicherlich zögerlich waren, aber summa summarum sogar Spaß gemacht haben.

Vor allem sind die ganzen Klettertouren auf die vielen Berge rund um Red Rocks ja nicht sportklettertechnisch abgesichert (es gibt Ausnahmen) und können nur selbst abgesichert erklommen werden. Zwei der sehr populären Touren haben wir uns für unsere Zeit in Red Rocks rausgesucht und die haben sogar sehr gut geklappt. Für diese gab es aber noch ein weiteres Hindernis zu bewältigen: die Unmengen an Gleichgesinnten.

Die Situation ist nämlich folgendermaßen: viele Touren sind nur von der sogenannten „Scenic Loop“ aus zu erreichen, welche nur zwischen 6 Uhr morgens und 7 Uhr abends befahren werden kann. Um sicher zu gehen, dass man keine „langsame“ Seilschaft, oder gar eine Dreierseilschaft (ganz schlimm!) vor sich hat, muss man sich also pünktlich um 6:00 in eine Schlange am Park-Eingang einreihen.

Versäumt man dies, kann es durchaus sein, dass man sich am Wandfuß erst mal hintenanstellen darf, um dann, während die Zeit verstreicht, zu zusehen, wie sich die Warteschlange von Kletterern verlängert. Entsprechend steht man um 6 Uhr dann auch nicht allein am Parkeingang, sondern wartet eben zusammen mit anderen Kletterern darauf, dass der Park aufmacht. Mit unserer Routenwahl hatten wir allerdings zwei Mal Glück, sodass wir jeweils die ersten in der Tour waren (die zweiten kamen dann schon an bevor wir überhaupt losgeklettert waren).

Nun aber zu den Touren. Unsere erste Tour war zugleich auch die erste Mehrseillängentour, die Piet 2008 als Nachsteiger seinem Dad hinterhergedackelt ist. Vermutlich war es damals im August brüllend heiß, sodass der damalige Versuch nach dem schattenspendenden Sicherungsbusch am Ende der dritten Seillänge abgebrochen werden musste. Diesmal gab es diese Ausrede nicht und wenige Stunden saßen wir zufrieden am letzten Standplatz von „Cat in the Hat“.

Unsere zweite Tour, namens „Birdland“, hat uns rückblickend fast noch besser gefallen. Bei der Tour wurden die Risse im Fels fast ausschließlich zum Absichern benötigt, während sich die Kletterei größtenteils an wunderbaren Riesenhenkeln abgespielt hat. Außerdem wird man fast die ganze Tour lang von einer Vielzahl an Schwalben unterhalten, die um einen herum an der Wand entlang sausen (wir haben keine Vogelnester gesehen oder gestört). Weils dann so schön war, hat die Franzi zum Tagesabschluss gleich noch mal die erste Seillänge vorgestiegen, um einen weiteren Trad Vorstieg in ihre Liste aufnehmen zu können.

Inzwischen ist unsere Zeit in Red Rocks schon vorüber und wir versuchen uns weiter ins Trad Territorium vorzuwagen. Bei totaler Abstinenz von Griffen versuchen wir zurzeit in Indian Creek, diesmal ernsthaft im Vergleich zu Franzis Versuchen letzten November, die Grundlagen des Risskletterns zu erlernen. Bis der Bericht hierfür fertig wird müssen sich sowohl die schadenfrohen als auch die nicht-schadenfrohen Leser noch etwas gedulden.

Kommentare

Thomas Brand — 04.04.2019

ihr seit schon ein bisschen verrückt aber wie heißt es so schön ein bisschen verrückt mus man sein wünsche euch noch eine schöne unfallfrei/verletzungsfreie zeit und immer genug seil

Christa — 05.04.2019

Super Bilder und vor allen Dingen seid ihr wieder beim Klettern. Ich freue mich für euch. Piet, ich hoffe, dass dein Knie weiterhin allen Anforderungen stand hält, aber bei deinen konsequenten Übungseinheiten dürfte dem nichts im Wege stehen. Toll!!

Flo R. — 14.04.2019

He's bäck! Das schaut wirklich sehr cool aus, bei euch. Auf die Trad-Mehrseillängenrouten bin ich neidisch. Das würde ich echt gerne mal wieder machen. Das praktische am Trad-Klettern ist, dass man auch ohne schwere Klettermoves am Abend das Gefühl hat, was erreicht zu haben :). Super schöne Scenic Views auch. Viel Spass und Erfolg euch in Indian Creek. Ich will Blut und Tränen sehen!

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