Kalifornien
USA

The Golden State

28.01.2019

Twain Harte

Wie bereits berichtet ist uns bereits im November klargeworden, dass uns in den nächsten Monaten eher mehr lange und kalte Nächte als weniger bevorstehen. Wenn man der Ungemütlichkeit dann zudem keinen wirklichen Nutzen mehr entgegenstellen kann, wie z.B. Klettern bei fantastischen Bedingungen, könnte man sich tatsächlich fragen, wie sinnvoll das Ausharren im Zelt nun wirklich ist. Wie praktisch, dass eine Knieverletzung hier einem argumentativ unter die Arme greift! Wir suchen uns also eine Ferienwohnung in Twain Harte in den kalifornischen Bergen, denn dort gibt es ein Sofa zur Erholung (a), eine Küche um gesundheitsfördernde Kost zuzubereiten (b), eine ständig verfügbare, warme Dusche (c) um den Physiotherapeuten (d) nicht bei seiner Arbeit zu verschrecken.

Naja, als wir dann dort waren haben wir selbstverständlich auch alle anderen Vorzüge genossen und es uns ziemlich gut gehen lassen. Vor allem der Backofen kam ziemlich gut an, denn Lasagne, Kartoffelgratin, Enchiladas oder andere Aufläufe sind auf dem Campingkocher wirklich knifflig zuzubereiten. Der Umstieg vom Zelt in die Wohnung war auch nicht wirklich schwer, denn letztendlich waren wir dann doch wieder mitten im Wald und wurden jeden Tag von Rehen und wilden Truthähnen besucht.

Insgesamt waren wir in dieser Wohnung 3 Wochen, aber die Zeit ist selbst ohne große Unternehmungen wie im Flug vergangen. Zudem mussten wir uns über die kommenden Reiseziele klarwerden, bzw. durchdenken, ob und wie unsere bisherigen Pläne noch umzusetzen sind. In dieser Vorweihnachtszeit durften wir nebenbei erleben wie Häuser, Vorgärten, Autos und Haustiere zu leuchten und zu blinken anfingen. Unsere Vermieter haben uns auch zu ihrem kirchlichen Konzertabend "Magnify" eingeladen, wo wir danach, bei verschiedensten Keksen und Mint-Schokoladen, lokale Heros getroffen haben.

San Francisco

Nach unserem Aufenthalt in Twain Harte war unser nächstes Ziel Los Angeles. Dort wurden wir von Chris und seiner Familie eingeladen, mit ihnen zusammen Weihnachten zu feiern. Bis dahin hatten wir noch knapp 3 Tage Zeit, welche wir mit einem Besuch in San Francisco und den dazugehörigen Fahrtstunden füllten.

Natürlich ist das viel zu wenig Zeit, um ein wirklich gutes Bild von einer großen Stadt wie San Francisco zu bekommen, aber für einen vagen Eindruck genügt es. Immerhin gab es einige Wiedererkennungsmomente aus dem Englisch-Buch aus der Schulzeit, wie zum Beispiel die steilen Straßen. Leider konnte unser Henry uns nicht hollywood-artig auf den steilen Straßen durch die Innenstadt springen lassen, aber für den Anfang waren die plötzlich abfallenden/verschwindenden Straßen dann auch bei normaler Reisegeschwindigkeit interessant genug (keine Aufsetzer oder sprühende Funken!). Mit dem Bus und den touristen-typischen Cable-Cars ging es dann am nächsten Tag gleich weiter mit Besuchen in der Innenstadt, Chinatown, den vielen Piers und letztendlich einem Besuch in Alcatraz mit beeindruckender Gefängniszellentür-Zurolldemonstration.

Big Sur

Von San Francisco aus ging es dann auf dem Highway 1 entlang des Big Sur genannten Küstenstreifens nach Süden. Um die Fahrstrecke etwas zu unterbrechen hatten wir uns vorab eine Whale-Watching Tour organisiert, die uns mit der Aussicht auf Orcas geködert hat. Leider hat es damit nicht geklappt, aber dafür haben wir Maverick (wurde vor Ort anhand seines Schwanzflossenmusters über happywhale.com als solcher identifiziert) und weitere Buckelwale gesehen, die für eine Weile sogar gemeinsam getaucht sind.

Hier haben wir nach einer ganzen Weile auch endlich mal wieder eine Nacht im Zelt verbracht. Dank freecampsites.net haben wir einen guten Platz zur Übernachtung unweit unserer eigentlichen Reiseroute gefunden. Von den Robben und deren Schreie, die wir nachts hörten, stand zwar nichts in der Beschreibung, aber die waren ja weit genug weg, sodass wir trotzdem gut schlafen konnten.

Los Angeles

Chris, den wir bereits im August in Boulder getroffen hatten, ist über Weihnachten zu seiner Familie geflogen, die sich in voller Mannschaftsstärke inklusive Kids und Hunden bei seinem Bruder Steve in Oceanside getroffen hat. Dort fühlten wir uns wirklich willkommen und haben eifrig mitgefeiert! Mit Chris hatte Franzi auch endlich wieder mal einen Kletterpartner, und deswegen sind wir mittags an Heilig Abend auch erstmal in die lokale Boulderhalle gegangen. Danach gings an den Strand und schließlich zum großen Familien-Get-Together. Beim abendlichen Wichteln, dem amerikanischen "White Elephant", hat Franzi tollerweise einen Take-away-Coffee-Cup erhalten, der auch schon im vollen Einsatz ist, während Piet sich ab sofort mit einer sprechenden Ronald-Rumsfeld-Puppe herumschlagen darf. Am 1. Weihnachtsfeiertag wurden wir früh geweckt, weil die Kids vor Ungeduld es nicht mehr ausgehalten haben – denn hier werden die Geschenke ja erst am 25. früh ausgepackt. Wir haben auf jeden Fall noch NIE so viele Geschenke unter einem Weihnachtsbaum gesehen. Ab sofort hieß es dann puzzeln, Nerfgun-Kämpfe austragen, Spielzeugeier zum Schlüpfen zu bewegen, Pokemon-Karten sortieren, sich im Pool erholen, Jumanji durchstehen und mit grünem Schleim zu spielen (der heute noch seine Spuren an der Franzi-Leggins aufweist). Ab und zu konnten wir uns dann, abseits von den Kindern, bei einer gemütlichen Runde „Space Team“ erholen.

Nach Weihnachten haben wir mit Chris mehrere lohnende Ausflüge unternommen. Als erstes ging es in den Joshua Tree National Park, der chaotisch überfüllt war (Government Shutdown, der Park wurde ein paar Tage später auch wegen überquellender Container und Toiletten geschlossen). Es war aufgrund ständiger Windböen richtig richtig kalt und Chris hatte keinen guten Schlafsack dabei. Deswegen sind wir am nächsten Tag beim Bouldern auch gar nicht so richtig warm geworden, und sind abends wieder zurück nach LA zu Chris‘ Eltern gefahren, wo wir die nächsten Tage verbracht haben. Mit Chris hatten wir natürlich auch einen tollen lokalen Reiseführer, den wir mit allen erdenklichen Fragen belästigen konnten (z.B. Warum heißen Joshua Trees Joshua Trees? – wegen den Mormonen natürlich). Leider war auch Chris kein guter Weg bekannt, den Blechlawinen von Los Angeles zu entkommen, und so mussten auch wir unser Pensum an Stauzeit absitzen.

Unser Touri-Programm hat uns nach Huntington Beach, in verschiedenste Outdoor-Läden, ins Kino, an den Venice Beach, ins California Science Center und auch ins Observatorium geführt. Nebenbei haben wir entspannt gelesen, Spiele gespielt, Chris beim Gitarre spielen zugehört, Freunde vom Chris kennengelernt und jeden Tag frisch gepressten Orangensaft vom Orangenbaum im Garten genossen.

Einmalig war auch unser Silvester bzw. Neujahrestag: In LA findet am 1. Januar im Stadtteil Pasadena die größte kalifornische Parade statt, die aus lauter Wägen besteht, die hauptsächlich mit Blumen geschmückt sind, die Rose Parade. Da hier immer so viele Menschen zum Zuschauen kommen, ist es wichtig, sich rechtzeitig einen guten Platz zu sichern. Den bekommt man, indem man bereits am Nachmittag vor der Parade, also am 31. Dezember, in der Hauptstraße von Pasadena anreist und sich auf seinem Platz breitmacht, dort schläft und dann früh um 6.00 Uhr seinen Schlafsack wegräumt, seinen Campingstuhl hinstellt und bis zum Start der Parade, um 08.00 Uhr, das bunte Treiben auf der abgesperrten Straße anschaut (Jogger, Rollschuhfahrer, Bibelprediger, Weltuntergangsfanatiker, Hochradfahrer usw.). Aber bereits am Vorabend, als die Straße noch nicht gesperrt war, gab es Einiges zu sehen – und auch zu tun. Den Oldtimer-Fans unter euch wäre das Herz aufgegangen, was sich hier auf der Straße alles präsentiert hat. Und anscheinend ist es auch Tradition, dass die Straßenseitenbelagerer die vorbeifahrenden Autos angreifen – und umgekehrt. Die ersten Marshmallows, die wir abbekommen haben, wurden voller Vorfreude von uns eingesammelt. Als Chris dann eine Wasserbombe ins Gesicht bekommen hat (sie ist glücklicherweise nicht explodiert, sonst wäre die Nacht fürn Chris noch kälter geworden) und die Franzi einen Tortilla mit Rasierschaum (=Klebemasse) am Bein kleben hatte, wurden wir auch professioneller: Glücklicherweise war die Familie neben uns so gut ausgerüstet, dass wir uns Rasierschaum leihen konnten, den wir auf die Marshmallows sprühten, so dass auch diese besser kleben. Zusätzlich haben wir uns spontan noch Sprühschlangen organisiert... manche Autos sahen aus, als ob Kleinkinder sie tagelang mit Farbe und Sahne bearbeitet hätten. Ob das wohl deutsche Autofahrer lustig fänden? Wir hatten auf jeden Fall diebisch viel Spaß!

Die Parade startete am nächsten Morgen mit dem B-2 Stealth Bomber, der direkt über uns entlangbrauste, dann kamen die verschiedenen Wägen, viele Marschbläser, Reiter und Fahnenschwenker sowie die Rosenkönigin. Dann gings völlig übermüdet ins Internationale House of Pancakes, wo viel Kaffee getrunken wurde.

Damit war die Zeit mit Chris leider auch schon wieder vorbei, und wir haben den Henry erneut gepackt, samt der Rumsfeld-Puppe, und sind, mit einem Physiotherapeuten-Stopp, nach Norden aufgebrochen, zu unserer Deluxe-Überwinterung Teil 2.

Kommentare

Bine — 02.02.2019

Wieder einmal ein fesselnder und toller Einblick in euer Abenteuer. Danke :-)

Coon — 04.02.2019

Na da sehe ich doch schon Progress was die körperliche Fitness angeht (Wo ist die wunderschöne Schiene ??) . Ich drück' weiter die Daumen, dass es vorangeht!

Sebastian — 05.02.2019

Herzlichen Dank für das ausführliche Update, da möchte man gleich den Rucksack packen und zum nächsten Airport eilen. Schöne Bilder von tollen Erlebnissen. Ich drücke Piet die Daumen dass er bald wieder an die Felsen kann. PS: Mit Hydraulik ausgerüstete Autos heißen Lowrider und wenn die hintere Stoßstange aufsetzt nennt man das tail dragging. Schaut am Kiosk mal nach dem Lowrider Magazine, da sind extrem aufwändig lackierte Lowrider drin. Die Kultur wurde hauptsächlich von eingewanderten Mexikanern geprägt.

Jörg — 07.02.2019

Ein fürchterlicher Ort, ich würde Euch ablösen ;-) Viele Spässe

Vrony — 27.02.2019

Ihr habt ein Dreiviertel Jahr ohne Lasagne überlebt?!?

Flo R. — 12.03.2019

Das sind tolle Bilder. Da habt ihr auf jeden Fall bisher am meisten classic Tourprogramm absolviert. Wo ist das Foto der Rumsfeld Puppe?

Flo R. — 12.03.2019

Außerdem: Grabscht der Chris da oder ist das der lumpigste Spotter der Welt?

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