Rocklands - Ruhetage & Bouldern
09.08.2018
Im ersten Teil dieses Blogeintrags gebe ich (Dan) euch einen Überblick über unsere Restdayaktivitäten, also abseits vom Bouldern oder sonstigen Notwendigkeiten wie Einkaufen, Fingerpflege und natürlich Blog schreiben. Mittels Internetrecherche oder Franzis Reiseführer suchen wir nach geeigneten Kurztrips, um die Rocklands und Umgebung besser kennenzulernen. Für die Felsbegeisterten gibt’s am Ende noch ein paar Boulderpics.
Dan’s Geburtstagsgeschenk: Weinprobe im Alpha Excelsior
Die erste Restdayactivity ist mein Geburstagsgeschenk und führt uns ganze 500m vom Zeltplatz weg zur nebenan gelegenen „Alpha Excelsior“ Farm mitsamt Weinerei. Zugegebenermaßen ist Alkohol natürlich Gift für die Regeneration, aber was soll’s? In Südafrika gibt es exzellenten Wein und das wollen wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen.
Schon bei der Anmeldung merken wir, dass es sich hierbei um einen Glücksgriff handeln muss und wir bei einer ganz kleinen privaten Weinerei gelandet sind. Um 14 Uhr ist es dann endlich soweit: James, ca. 35 – 40 Jahre alt, studierter „Nature Preservationist“ und seit 2003 Chef der Farm (Schwiegereltern sei Dank) empfängt uns und führt uns sogleich in eine kleine Lagerhalle mit vielleicht 20 – 25 Fässern. Es folgt ein umfangreicher Einblick in die verfahrenstechnischen Grundlagen der Weinherstellung, von der Lese über alkoholischer Gärung bis zum Verkorken. Während Franzi, Flo und Piet erstaunt zuhören, versuche ich mich krampfhaft an die bioverfahrenstechnischen Inhalte meines Studiums zu erinnern (gelang teilweise). Auf jeden Fall wird alles hier noch von Hand gemacht, denn die Anschaffung von Maschinen ist vermutlich für 3 Hektar Anbaufläche einfach zu kostspielig. James ist außerdem so fasziniert vom Weinanbau wie wir fürs Klettern, reißt uns mit seiner Begeisterung förmlich mit und wir können es kaum noch erwarten die drei verschiedenen Weine zu probieren. Hier hat sich wiedermal gezeigt: es macht Spaß Menschen zuzuhören, die für eine Sache brennen.
Zugegebenermaßen bin ich kein Weinkenner, habe mir aber gemerkt, dass es gleich einen Caubernet Sauvignon, Pinotage und Shiraz geben wird. Während der Weinprobe erzählt uns James von seinen sonstigen Projekten und seiner früheren Tätigkeit im Umweltschutz. Wie auch sonst leider überall auf der Welt ist man finanziell gesehen da meist am Ende der Nahrungskette und irgendwann hatte er den Bürokrieg einfach satt. Dann haben die Schwiegereltern die Farm ins Gespräch gebracht und schon ging’s los mit dem Weinbau. Im Gespräch haben wir dann auch noch erfahren, dass es direkt ums Camp einen Cape Leopard geben soll (den aber nie jemand sieht, da er quasi das gesamte Tal durchstreift), es genau vier Black Eagle Pärchen in den Zedernbergen gibt und wir wohl neulich bei einer Night-Boulder-Session einen Caracal (Raubkatze) gesehen haben. Caracals haben ein Special Feature: Sie springen 3m hoch und schnappen vorbeifliegende Vögel. Off-Topic: Bei den ganzen hohen Bouldern mit dynamischen Zügen hier würde uns ein wenig Caracal-Power vermutlich auch ganz guttun.
Nach der Verköstigung schauen wir uns kurz noch die Olivenölproduktion an und lernen endlich wie Südafrikas berühmte Rooibos Sträucher aussehen. Darum hatten sich schon einige wilde Theorien etabliert. James bringt uns dann zum Abendessen, welches aus einfachen Club Sandwiches mit unglaublich leckerem Pesto besteht. Dazu gibt es natürlich noch einige Gläser Pinotage und so geht dann auch ein sehr erfolgreicher Restday zu Ende. Uns allen hat die Weinprobe sehr sehr gut gefallen und wir geben hier eine klare Empfehlung fürs „Alpha Excelsior“ in den Rocklands raus. Für alle schwäbischen Mitleser: Das Tasting war kostenlos – wir haben dann aber noch ein paar Flaschen gekauft für unseren Südafrika-Trip.
Ausflug nach Kapstadt: Verabschiedung von Flo
Nach knapp drei Wochen Bouldern war es dann leider soweit und Flo’s Urlaubszeit war vorbei und wir mussten unseren Flo in Kapstadt abliefern. Den Tag vor dem Abflug wollten wir nochmal zusammen verbringen und uns ein bisschen in Kapstadt und Umgebung umsehen. Los ging’s also um 7 Uhr morgens und nach gut 3h Fahrt haben wir dann auch schon Kapstadt und seine riesigen Townships erreicht. Erstes Ziel unseres Ausflugs war der Kirstenbosch-Botanic Garden. Dieser liegt im Tafelberg Nationalpark und beheimatet allerlei endemische Flora und soll laut Reiseführer ein absolutes Highlight sein. Die Anlage ist auf jeden Fall sehr schön grün und hügelig und man bekommt einen guten Eindruck von der Vielfalt der hier ansässigen Pflanzen. Aufgrund unserer Reisezeit (Winter) hat aber recht wenig geblüht. Witzig ist auf jeden Fall der „Fragrance“ Bereich des Gartens, wo allerlei Sträucher und Kräuter mit besonderen Gerüchen angepflanzt sind, beispielsweise "Africas worst smelling plant".
Zugegebenermaßen hat uns alle der botanische Garten nicht unglaublich vom Hocker gehauen, also haben wir unseren Aufenthalt eher knapp gehalten.
Unser nächster Stopp war dafür umso besser! Nach 45 Minuten Fahrt Richtung Süden erreichen wir „Boulder Beach“, um die dort ansässige Pinguin Kolonie zu begutachten. Ich selber bin vielleicht davon ausgegangen, dass dort ca. 50 Pinguine ihr Unwesen treiben, aber weit gefehlt: Laut Infoschild leben hier 2200 Pinguine, was sich dann auch schnell am Geruch bemerkbar macht. Wir alle sind sofort begeistert von den an Land etwas tollpatschig wirkenden Bewegungen der Großen und Kleinen und wir schießen jede Menge Fotos.
Nach den Pinguinen sind wir alle hungrig und fahren dann nach Downtown Kapstadt und essen ein letztes mal zusammen, bevor es für Flo dann zum Hostel geht. Unsere Wahl fällt auf „Addis in Cape“ – ein äthiopisches Restaurant. Für die meisten von uns ist es eine neue Erfahrung aus einem riesigen Brot allerlei vegetarische Köstlichkeiten (Linsensorten, Kürbis und teilweise Unbekanntes) zu dippen/essen. Danach geht’s für Flo ins Hostel und wir fahren für unsere zwei letzten Bouldertage zurück Richtung Rocklands.
Bouldern - Teil 2
Zum Schluss soll es dann doch noch etwas ums Bouldern gehen – denn das war natürlich unsere Hauptmotivation für die Reise nach Südafrika. Rückblickend können wir sagen, dass dieses Gebiet erstens wirklich sensationell ist und zweitens einfach viel zu groß. Wir hatten nur den alten Führer dabei (inzwischen gibt es Einen doppelt so umfangreichen) und haben es nicht mal geschafft alle „alten“ Sektoren zu besuchen. Es bleibt also noch viel Unerledigtes, was hier auf unseren nächsten Besuch wartet.
Leider hat das 2-Tage-Klettern, 1-Tag-Pause, 2-Tage-Klettern seine Spuren hinterlassen und wir alle mussten etwas zurückstecken. Die Franzi musste sich vor Ort beim Kletterer-Physiotherapeuten einbuchen und 'hämmert' jetzt regelmäßig therapeutisch. Das heißt einen selbstgebastelten Hammer aus original Rocklands-Holz und Rocklands-Steinen mit beiden Handgelenken hundert mal rotieren. Der Flo hat ihr die Physio-Geschichte dann kurzer Hand nachgemacht weil, er sich bei seiner ersten 7A ein kleines Extra-Goodie am Finger zugezogen hat. Und zu guter letzt wollte der Dan hier dann auch noch mitziehen, war dann jedoch leider zu spät: Er sucht sich gerade den besten Trockenakkupunktur-Anbieter in Boulder (unserem ersten Ziel in den USA).
Aktuell befinden wir uns in Johannesburg am Flughafen, warten auf unser Flugzeug und finalisieren diesen Eintrag. Der nächste Eintrag zu unseren Tierbegegnungen ist bereits geplant und kommt in den nächsten Tagen.
Übrigens: Wer hat den Affen im Titelbild entdeckt?





















Bine — 10.08.2018
Mega schöner Eintrag heute wieder. Man hat mit der lebhaften Beschreibung das Gefühl dabei zu sein. Vielen vielen Danke dafür! Und als Schwabe bedanke ich mich natürlich für den extra Hinweis :-)
Dieter — 10.08.2018
Boah! ich bin ja schwer beeindruckt! Super Bilder... mit guter Beschreibung.
Melli — 11.08.2018
Da Piet als einizger bislang unverletzt ist, wird er sich sicherlich fürsorglichst um euch kümmern! :D Wieder mal ein toller Beitrag, weiter so! Ich weiß nicht, was mich mehr gegeistert hat - eure sportlichen Aktionaufnahmen, die Tarnaffen oder diese unglaublich niedlichen Pinguine?! Wie wahrscheinlich ist es, dass ihr einen kleinen Pinguin im Rucksack mitschmuggelt???
Steffi — 11.08.2018
Na als in Schwaben gedultete haben auch wir den Schwaben Tipp für unseren Kapstadt Besuch im Oktober notiert ;-) Ich hoffe mit den genialen Eindrücken und Erlebnissen geht in the US weiter und alle Finger sind bis dahin regeneriert...
Christa (Franziska Mama) — 11.08.2018
Superschöne Bilder, besonders gut gefällt mir der Affe. Was es alles gibt, einen Physiotherapeuten extra für Kletterer. Da wünsche ich viel Erfolg mit der Hammertherapie1! Bei der Beschreibung der Weinprobe hört man richtig die Begeisterung, so dass man gerne selbst dabei gewesen sein möchte, wobei ich ja noch nicht mal bei einer fränkischen Weinprobe war...........Gutes Ankommen in USA
Uli — 11.08.2018
Lesenswert, Danke
Karin (Mum) — 12.08.2018
Bin mal wieder Spätzünder mit meinem Kommentar. Sitze gerade im Funkloch Thüringer Wald. Wahnsinns eindrucksvolle Berichte von Dir Daniel, finde alles toll geschildert und bin voll Bewunderung. Für Dich und Deine Wegbegleiter viel Glück und gute Besserung Euch allen, Deine Mum
Karin — 12.08.2018
Guten Flug und Happy Time !
Flo — 25.08.2018
Heidanei! Dann ruht mal eure Pratzen bissl mehr aus. Die müssen ja noch einige Monate durchhalten. Piet, du könntest du verletztungstechnisch schon auch mal bissl solidarischer zeigen.