Klettern & Bouldern in den High Sierras
Kalifornien, USA

Risse & Felsblöcke

07.06.2019

Die Zeit im Yosemite Valley war für uns noch nicht vorbei, da unser nächster Besucher, der Thomas, nach seiner Landung in San Francisco noch mitten in der Nacht zu uns gedüst ist. Nach der üblichen Camp 4-Anmeldung in der frühen Früh konnten wir Thomas‘ Urlaubszeit offiziell starten und haben ihn direkt mit an die wundervollen Risse des Yosemite Valley genommen, wo dann wieder fleißig „gerutscht“, „gekämpft“, „gewurschtelt“ und „geflucht“ wurde. Endlich war jemand da dem wir unser neu erlerntes „Crack-Toddler-Niveau“ stolz vorführen konnten.

Thomas hat es auch gleich so gut gefallen, dass wir am nächsten Tag erstmal wandern gegangen sind. Leider waren aufgrund des im letzten Winter umfangreich gefallenen Schnees noch lange nicht alle Wanderwege wieder offen – trotzdem haben wir eine Wanderung gefunden, die keiner von uns bisher gemacht hat und die uns ordentlich ins Schwitzen gebracht hat: den Upper Yosemite Falls Trail, in ca. 6 Kilometern fast 1000 Höhenmeter hoch bis an die Stelle, wo das Wasser des Yosemite Falls das erste Mal über die Felskante donnert. Oben angekommen wollten wir noch schauen, ob wir auch zum Eagle Point weiterlaufen können, mussten dann aber aufgrund von großen Schneefeldern, welche die Wegfindung und -begehung schwieriger und langsamer gestalteten, wieder umkehren. Gerade die Schneebrücken über tosendes Schmelzwasser waren spannend und irgendwie auch ziemlich unheimlich.

Am nächsten Tag haben wir Thomas wieder überzeugt, dass Rissklettern schon auch Spaß machen kann, und haben die nächsten paar Tage Mehrseiltouren gemacht. Wir haben auch immer etwas gefunden, was alle genug gefordert hat, Spaß gemacht hat und wir zu Dritt gut klettern konnten. Zu zweit am Standplatz rumzuhängen, während der Dritte auf Vorstiegsmission geschickt wird, ist sowieso gleich viel unterhaltsamer als alleine irgendwo in der Wand zu kauern. Auch Thomas hat dann einfach mal was vorgestiegen, wofür wir ihm, nach all unseren Erfahrungen mit Friends, Rissen & Co, großen Respekt zollen. Und zum Schluss standen wir immer auf einem Felssims mit hervorragendem Ausblick übers Valley.

Das Wetter hat auch einwandfrei gehalten – und es gäbe wirklich keinen Grund sich zu beschweren, wenn da nicht dieser eine Vogel über unserem Frühstückstisch gewesen wäre. Dieses Prachtexemplar von Vogel hat sich den morschen Baum über unseren Köpfen als neue Behausung auserkoren und verbrachte die Frühstücksstunden (wirklich jeden Tag!) damit die neu gefundene Bleibe weiter auszuhöhlen und den „Bauschutt“ gleichmäßig in unserer Geschirrkiste, Müsli, Pfannkuchenteig oder auch im Kaffee abzuladen… Ansonsten hätte es nicht besser laufen können!

Da wir Thomas vorab versprochen haben, dass er nicht nur in den Riss muss, wenn er uns besuchen kommt, sind wir dann raus aus dem Valley weiter Richtung Norden zum Lake Tahoe gefahren, wo das Bouldern angeblich auch ziemlich gut sein soll.

Dort haben wir dann einen gemütlichen Campingplatz mit warmen Duschen (ohne Zeitbegrenzung), Laundry und Wifi gefunden – Luxus also – und der Typ aus dem örtlichen Kletterladen wollte uns keine Boulderführer verkaufen, sondern uns stattdessen lieber sein Ladenexemplar kostenlos ausleihen… es fing also alles ziemlich gut an.

Und so ging es auch weiter. Jeden Tag haben wir uns ein anderes Gebiet angesehen, und diese wurden von Tag zu Tag besser. Die Bouldergebiete hatten oft eine kitschige bis extrem kitschige Aussicht über den Lake Tahoe und sehr vielfältige Blöcke. Teilweise wirkte es eher wie Fontainebleau (erstklassiges Bouldergebiet in Frankreich), dann eher wie in den Buttermilks (Bishop, CA) oder zu unserer großen Freude auch wie eine Mischung aus Avers/Tessin (Schweiz).

Neben Boulderfertigkeiten wurde bei den Zustiegen zudem noch überprüft wie versiert man im Wegfinden ist (Danke ans GPS) oder wie sicher man Sümpfe und Flüsse mittels umgefallenen Bäumen überqueren kann (spannend, da schwimmen mit einem riesen Klotz Schaumstoff auf dem Rücken bestimmt eine super Idee ist). Auch der Fels an sich hat uns manchmal ganz schön vor Rätsel gestellt – manchmal waren die Züge einfach unglaublich schwer, obwohl es laut Kletterführer eigentlich ziemlich leicht sein sollte… Aber manchmal hat es auch einfach funktioniert, so gut, dass auch der Piet mit seinem Knie, welches das Bouldern ziemlich gut mitgemacht hat, wieder tolle und auch schwierige Boulder machen konnte.

So sind die Tage mit viel Sonnenschein, tollen Gesprächen sowie viel zu lachen schneller als im Flug vergangen und Thomas musste sich leider schon wieder nach einem gediegenen Burger-Abschiedsessen auf den Weg nach Hause machen – war ne richtig tolle Zeit!

Wir sind dann noch zwei Nächte länger auf dem Campingplatz geblieben und sind am nächsten Tag nach Lover’s Leap gefahren. Dort gibt es mehrere Wände mit Mehrseillängentouren und davon haben wir zwei rausgesucht, die beide richtig gut waren. Hier hätten wir einwandfrei und ohne zu hohem Gruselfaktor das Selbst-Absichern üben können und dabei sogar noch einige Höhenmeter sammeln können anstatt uns im Yosemite fürchten zu müssen. Franzi hat’s super gefallen, Piet hat dann irgendwie doch wieder die Grusel-Platte-Stelle erwischt… Trotzdem hätten wir uns so ein Gebiet vor unserem Yosemite-Besuch gewünscht! Gerne wären wir hier noch etwas länger geblieben, aber der Wetterbericht mischte sich wieder in unsere Pläne ein und hat uns mehrere Tage Regenwetter angekündigt. Auch im Yosemite sollte es nicht besser sein, weswegen wir für die nächsten Tage in Richtung Osten, jenseits der High Sierra, in die Wüste nach Bishop geflüchtet sind.

Da wir bei Lake Tahoe auf den Geschmack des Boulderns gekommen sind, ging’s auch in Bishop zu den Bouldern bei den „Happies“, „Sads“ und den „Buttermilks“ (=Namen der Bouldergebiete). Piet war bereits mehrfach hier gewesen und Franzi während eines Urlaubs vor ein paar Jahren. Diesmal haben wir unser Zelt beim „The Pit“ Campingplatz aufgeschlagen und haben den Frühling in der Wüste mit vielen lila blühenden Büschen und den zu hunderten darauf sitzenden Monarchfaltern genossen. Teilweise war es zum Bouldern ein bisschen zu warm, aber auf den Schattenseiten der Felsen ging es trotzdem noch ganz gut.

Zusätzlich haben wir erfahren, dass über das Memorial-Day-Wochenende in Bishop das Mule-Festival stattfindet und über die letzten Tage dort sind immer mehr Muli-Begeisterte mit ihren Mulis angereist und wir mussten uns das dann auch mal kurz anschauen, bevor wir wieder zurück nach San Francisco gefahren sind, um unsere nächste Besucherin am Flughafen abzuholen.

Kommentare

Bine — 12.06.2019

ach wie schön... ich freue mich immer riesig, wenn eine Email auf einen neuen Blog Eintrag hinweist... das erste was ich dann mache, ist die Seite zu öffnen und den Blog mit Begeisterung zu lesen... Danke danke danke für die tollen Bilder und die Einblicke in eure Reise!! Grüßle

Sebastian — 12.06.2019

Schöner Berich, euch geht's ja gut. Freue mich auch jedes Mal wenn ein neuer Blogeintrag online ist. Nur mal so interessehalber: womit fotografiert ihr eigentlich? Kompakt, System oder Spiegelreflex? LG aus Deutschland, Seb.

Karin -12.6.2019 — 12.06.2019

Mir ergeht es nicht anders, ein neuer Eintrag und ich öffne ihn sofort. Wunderbare Erlebnisse und Fotos von dieser so anderen Welt. Die besten Wünsche für Euch weiterhin!

Uli — 12.06.2019

Ihr solltet Postkarten verkaufen ^^

Coon — 13.06.2019

Ich sehe ich hätte in Lake Tahoe in Sachen "Zustieg zum Bouldergebiet" mal wieder meine wahre Freude gehabt :)

Nani — 15.06.2019

Schöner Beitrag, jetzt bin ich doch ein wenig neidisch geworden. Euch noch eine super Zeit und bis zum Herbst. Wir freuen uns schon auf Euch! Viele Grüße

Flo R. — 29.06.2019

Die Franzi im High Ball, ich glaub ich spinn :-). Cool Piet, dass bei dir auch Bouldertechnisch wieder was geht! Die Mehrseillaengen mit Thomas und am Lover's Leap klingen super. Neid. Auch Lake Tahoe klingt sehr gut. Ich hoffe ihr habt eure Bear Box auch immer gut geschlossen. Ansonsten: Big Mistake! :-D

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